Unser Ansatz in der
Autismus Therapie

Im Hinblick auf die unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Ressourcen unserer Klienten*innen lässt sich sagen, dass derzeit kein Therapie-Konzept existiert, welches alle Besonderheiten und individuellen Bedürfnisse berücksichtigen kann.

Bereits in den ersten Kontakten mit unseren Klienten*innen und /oder ihren Angehörigen schaffen wir eine offene und transparente Atmosphäre, in welcher die Stärken und Schwächen besprochen werden.

Unser Ansatz umfasst unterschiedliche Bausteine der therapeutischen Förderung, welche sich als wirksam erwiesen haben. Diese werden auf Alter, kognitive und sprachliche Fähigkeiten des betroffenen Menschen abgestimmt.

Foto mit einer Hand, die einen orangenen Holzstein auf andere Holzsteine setzt

Wesentliche Ziele der Therapie können dabei sein:

Linderung der oft belastenden Symptomatik
Bearbeitung von Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen, Ängsten oder Zwängen)
Förderung der sprachlichen Kommunikation, des Spielverhaltens und der Selbstständigkeit
Förderung der sozialen Kompetenzen, um sicherer zu werden im Umgang mit anderen Menschen
Erlernen von Bewältigungsstrategien für die eigenen Schwierigkeiten
Erlangen eines angemessenen Umgangs mit den eigenen Besonderheiten und den individuellen Stärken und Schwierigkeiten
lebenspraktische Unterstützung bei den Anforderungen im Alltag
Hilfe, eine berufliche Perspektive zu entwickeln
Hilfe bei den Bemühungen, ein für die eigene Person passendes, glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

Phasen der Autismus Therapie

Pfeildiagramm mit den Phasen der Autismus Therapie von der Diagnose bis zur Beendigung der Therapie
Diagnose und Kostenklärung
Unabhängig vom jeweiligen Alter, wird eine fachärztliche Diagnose benötigt, um bei dem zuständigen Kostenträger einen Antrag auf Gewährung zu beantragen.
Wir helfen ihnen in dieser Phase, Diagnosezentren zu finden und den Antrag einzureichen. Im weiteren Verlauf stehen wir ihnen unterstützend zur Seite, um auftretende Fragen zu klären.
Eingangsphase
In dieser Phase ist unser oberstes Ziel, eine solide vertrauensvolle Basis zu schaffen. Sowohl Therapeut*in als auch Klient*in benötigen Zeit, um sich auf einander einzustellen.

Wesentliche Bestandteil dieser Phase sind das Feststellen der individuellen Stärken und Schwächen, der Interessen und sozialen Ressourcen. Zudem müssen die gegenseitigen Erwartungshaltungen abgestimmt werden. Diese Faktoren und das bereits vorhandene Wissen über das Autismus-Spektrum bestimmen die individuelle Förderplanung.

Neben dem gemeinsamen Formulieren der Förderplanung binden wir die Klienten*innen und deren Angehörige in das Benennen der Ziele ein. Nur so sichergestellt werden kann, dass der Wunsch, diese Ziele zu erreichen, bei allen Beteiligten intrinsisch vorliegt.

Durchführung
Um effektiv und zielorientiert arbeiten zu können, werden in der Regel feste wöchentliche Termine vereinbart. Ausgehend von der Bewilligungsvorgabe finden diese in Einzel- oder Doppeleinheiten statt.
Beendigung
Im Rahmen der jährlichen Zielevaluation, in der Regel gemeinsam mit dem Kostenträger, wird die Erlangung der jeweiligen Ziele überprüft.

Autismus-Therapie ist eine Form der Hilfe, welche über einen längeren Zeitraum angedacht ist. Mit dem Erreichen der Ziele kann die Therapie beendet werden. Unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse unserer Klientel sollte ein abrupter Abschluss vermieden werden und ein Ausschleichen der gemeinsamen Termine über einen festgelegten Zeitraum erfolgen.

Methoden der Autismus Therapie

Derzeit existiert kein methodischer Ansatz, welcher für alle Bereiche des Spektrums einsetzbar ist. Aus diesem Grund arbeiten wir in der Praxis hauptsächlich mit methodischen Ansätzen, die explizit für Menschen im Spektrum entwickelt wurden und deren Wirksamkeit in der Förderung als nachgewiesen gilt.

Beispielhaft einige Methoden, welche in der praktischen Arbeit als Bausteine genutzt werden. Je nach individueller Situation können die einzelnen Bausteine mit einander kombiniert werden.

Foto mit 3 Sanduhren und eine ist mit orangenem San befüllt

TEACCH

(Treatment and Education of autistic and related Communication for handicapped CHildren)

Bei diesem Ansatz werden individuelle Hilfen zur Unterstützung des Lernens und der Bewältigung des Alltags erstellt. Die grundlegende Strategie zur Förderung beruht auf der Strukturierung und Visualisierung und berücksichtigt die andere Wahrnehmungsverarbeitung von Informationen.

Systemischer Ansatz

Nach der Erhebung von Stärken und Ressourcen der Klienten*innen und ihres Umfeldes, werden diese zentral beleuchtet und für eine lösungsorientierte Beratung verwendet. Somit sollen die Stärken und Ressourcen bewusster wahrgenommen und ausgebaut werden.

Soziales Kompetenz Training

Im Rahmen gruppenpädagogischer Angebote werden soziale Kompetenzen gefördert, indem transparente und nachvollziehbare zwischenmenschliche Situationen geschaffen werden. In diesem sicheren Schutzraum, welcher hierdurch geschaffen wird, erhalten Menschen im Autismus-Spektrum positive Erfahrungen und erleben sich als selbstwirksam.

Aufbau der Theory of Mind (ToM)

Mit der Theorie der Gedanken wird ein Prozess beschrieben, in welchem Menschen die Fähigkeit besitzen, sich in die Gedankenwelt anderer hineinzuversetzen. Bei Menschen im Autismus-Spektrum ist diese Fähigkeit oft nur sehr schwach ausgeprägt. Daher soll hier ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass andere Menschen eigene Gedankengänge haben und dies beim eigenen Handeln zu berücksichtigen ist.

Rollenspiele

Diese Methode ermöglicht die Darstellung sämtlicher Situationen mit Hintergrundinformationen im geschützten Rahmen.
Die Hintergrundinformationen bestehen sowohl aus den möglichen Gedankengängen des Gegenübers als auch aus den sozialen Erwartungsansprüchen der Gesellschaft. Somit können Rollenspiele genutzt werden, um beispielsweise Konfliktsituationen nachzuspielen und zu analysieren, um Strategien für ähnliche Gegebenheiten zu erlangen.

Kommunikationserweiterungen

Da Menschen im Spektrum in den unterschiedlichsten Bereichen der Kommunikation Schwächen aufweisen können, werden individuelle Hilfen erarbeitet.
Das Erstellen von Bild- und Objektplänen kann dazu genutzt werden, Wünsche und Bedürfnisse deutlich zu formulieren. Ebenso dient das Anbahnen von Gebärden dazu, die Mitteilungsmöglichkeiten zu erweitern.

Ein anderer Aspekt der Verständigung ist das Verstehen und Interpretieren von non-verbaler Kommunikation. In diesem Bereich werden Mimik und Gestik mit den Klienten*innen erarbeitet bzw. vorhandene Kompetenzen vertieft.

Entspannung

Aus den unterschiedlichsten Gründen neigen Menschen im Autismus-Spektrum unter innerer und äußerer Anspannung, was zu aggressiven Verhaltensweisen führen kann. Je nach individuellen Vorlieben werden Entspannungsübungen in die Therapie eingebunden.

Haben Sie Fragen?
Rufen Sie uns an und wir klären diese.

Therapie für Erwachsene
mit hochfunktionalem Autismus

Gerade in der jüngeren Vergangenheit haben wir vermehrt beobachten können, dass immer mehr Autismus-Diagnosen bei Erwachsenen gestellt werden. So unterschiedlich die Wege zur Diagnose sind, so unterschiedlich ist der anschließende Umgang damit.

Es wird einiges an Zeit benötigen, um sich mit der neuen Situation vertraut zu machen. Probleme und Schwierigkeiten der bisherigen Biographie können mit den neuen Informationen neu bewertet werden. Betroffene erlangen zu der Erkenntnis, dass ihre bisherigen Schwierigkeiten typisch für Menschen im Autismus-Spektrum sind und es nicht um Schuldzuweisungen geht. Sondern eher darum, zu überprüfen, ob die jahrelange Maskierung in der Welt der Neurotypen zu Überforderungen geführt haben, welche sich in alle Lebensbereiche auswirken konnten.

Foto mit zwei Schuhen und dem Text "Sie bestimmen die Richtung"

Therapie-Inhalte

Demzufolge kristallisieren sich häufig zentrale Inhalte im Rahmen der Autismus-Therapie heraus:
Annahme und Verarbeitung der Diagnose und des „anders seins“
Wie gehe ich mit meinem Umfeld mit der Diagnose um?
Wie geht mein Umfeld mit mir und der Diagnose um?
Biographiebearbeitung
Selbstwert erleben und steigern
Verstehen und Bearbeiten von sozialen Problemen (sozial vermeidendes Verhalten, Vereinsamung, etc.)
Verstehen und Bearbeiten von Problemen im beruflichen Kontext (Teamarbeit, Überlastung, etc.)
Konflikte in Freundschaften, Partnerschaften, Elternschaft
Überprüfen der persönlichen Ressourcen und Belastungsgrenzen
Selbstorganisation verbessern (Strukturen, Zeitmanagement)
Doch nicht nur „frisch-diagnostizierten“ Klienten*innen stehen wir zur Verfügung. Erwachsene, welche bereits im Kinder- oder Jugendalter therapeutische Unterstützung hatten, können durch Krisensituationen erneut auf Hilfestellungen angewiesen sein. Bereits früher erworbene Strategien können auf die aktuelle Lebenssituation erweitert werden, um neue Herausforderungen besser zu meistern.

Sollten Sie eine Autismus-Therapie anstreben, wenden Sie sich an uns, damit wir Sie im Antragsverfahren zur Kostenübernahme unterstützen.

Haben Sie Fragen?
Rufen Sie uns an und wir klären diese.

ABA, Nicht mit uns!

Applied Behavior Analysis kurz ABA gilt vielfach als der heilige Gral, wenn es um die „Heilung“ von Autismus geht. Was steckt dahinter? Und warum distanzieren wir uns von ABA? Ganz kurz und laienhaft erklärt, ohne Anspruch auf wissenschaftlichen Standard…

Mit ABA wird das Ziel verfolgt, dass Menschen im Autismus-Spektrum erwünschtes Verhalten erlernen. Und unerwünschtes soll beseitigt werden. Um ja in der Gesellschaft integriert zu werden. Um nicht negativ aufzufallen. Doch wer bestimmt, welche Verhaltensweisen angemessen sind und welche nicht?
Ständige Wiederholungen. Belobigungen mit Keksen bspw., wenn tolles Verhalten gezeigt wird. Wegnahme von geliebten Objekten, die zur Stabilisierung und persönlichen Sicherheit benötigt werden, als Bestrafungen.

Ein böser Mensch fühlt sich vielleicht an das Experiment von Iwan Petrowitsch Pawlow erinnert. Der berühmte russische Naturwissenschaftler bewies in seinem Experiment das Phänomen der klassischen Konditionierung. Er konnte feststellen, dass immer, wenn seine Hunde Futter gezeigt bekommen haben, diese mit vermehrtem Speichelfluss reagierten. Es handelt sich hierbei um eine automatisch ablaufende Reaktion. Diese ist bei Hunden angeboren und ist ein unbedingter Reflex. Durch gezieltes Training kann darauf ein absichtlich hervorgerufener Reflex werden. Ist es nun vermessen, dass gezielte Training auf ABA zu übertragen mit dem Ziel Menschen im Spektrum der Norm anzugleichen?

In den USA seit Jahrzehnten gefeiert und auch in Deutschland finanziert, muss etwas an ABA funktionieren. Die wichtige Frage hierbei jedoch ist, für wen funktioniert diese Methode?
Typische autistische Charakteristika wie Körper- und Augenkontakt vermeiden, kein großes Interesse an anderen Menschen und sich wiederholende Kopf- oder Handbewegungen werden als unpassend und störend empfunden, da sie sich von den eigenen Vorstellungen unterscheiden. Häufig wird nicht nach dem Sinn dieser Verhaltensweisen gefragt. Es wird nicht verstanden, wie wichtig sie für Autisten sind. Augenkontakt kann als ablenkend empfunden werden. Körperkontakt löst ungute Empfindungen aus. Sich wiederholende Kopf- und Handbewegungen dienen der eigenen Regulationen, um mit Unruhe oder Spannungen zurecht zu kommen.

Mit einem großen Zeitumfang von bis zu 40 Stunden wöchentlich wird mit der Zielsetzung trainiert, die für Neurotypen störenden Eigenarten zu minimeren bzw. diese komplett zu eliminieren. Doch nicht nur von außen wird dieser INPUT an die Menschen herangetragen. Die Familie wird zu Co-Therapeuten ausgebildet, damit nur jede freie Minute genutzt werden wird.

Erfahrungen & Schilderungen mit ABA

Neben den offensichtlichen Erfolgen interessieren uns die Sichtweisen von Erwachsenen, welche mit ABA begleitet wurden. Diese Schilderungen lassen sich wie folgt verallgemeinern:

Die meisten Übungen und Regeln wurden als belastend und unangenehm empfunden
Körperkontakt und Nähe mussten trotz großem persönlichen Unbehagen auszuhalten gelernt werden
Als ekelig empfundene Speisen mussten gegessen werden
Trotz Müdigkeit oder Bewegungsdrang musste am Tisch weitergeübt werden
Beruhigende und entspannende Bewegungen durften nicht verwendet werden
Geliebte Objekte, welche zur persönlichen Stabilisierung und Sicherheit benötigt werden, wurden abgenommen und erst bei gewünschtem Verhalten zurückgegeben

Dieser Ansatz widerspricht unserem ganzheitlichen Blickwinkel auf Autismus und der Wertschätzung, die wir unseren Klienten*innen entgegenbringen. Unserer Meinung nach sollten die vermeintlichen Schwächen von Autisten als ihre größten Ressourcen angesehen werden, welche genutzt werden, um die persönlichen Ziele im individuellen Rahmen zu erreichen.

Unser Credo lautet:
So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
 

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